Die Hoffnung und ich

Es war Mitte April, da bekam ich eine Mail von einem Verlag, den ich bis dahin (leider) noch nicht kannte. „Sie wurden uns empfohlen. Könnten Sie sich vorstellen, einen Beitrag für unsere Schriftenreihe ‚Pandemie: was wir gewinnen, was wir verlieren‘ zu schreiben? Wir würden Sie gerne für das Thema Hoffnung gewinnen.“

Ein Essay? Von mir?

Ich habe zögerlich abgesagt. Warum? Weil ich da so ein Bild im Kopf hatte. Ich glaubte, ein „Essay“ muss hochwissenschaftlich sein. Oder, wenn nicht, dann mindestens nobelpreisverdächtig. Jedenfalls nicht autobiographisch. Nicht höchst persönlich. Nicht so, wie ich am liebsten schreibe.

Genau das habe ich dem Verlag mitgeteilt.

Nun ja, es klang ein wenig anders, aber gemeint habe ich genau das, als ich schrieb: „Ich bin keine, die viele andere Autoren zitiert und Literatur-Bezüge aus dem Ärmel schüttelt. Ich schreibe vor allem autobiographisch und aus meiner Erfahrung im ‚wirklichen‘ Leben. Ist das in dieser Reihe passend? Oder suchen Sie Autor*innen, die viele Bezüge zu einschlägigen Büchern und Forschungen herstellen? Dann wäre ich nicht passend.“

Aber genau das wollen wir doch von Ihnen!

So lautete die Antwort des Verlags. Und jetzt sah die Sache plötzlich anders aus. Jetzt hatte ich ein Problem: Es gab keine Ausrede mehr. Die Frage, ob ich etwas zum Thema Hoffnung zu sagen habe, wie es um mich und meine Hoffnung überhaupt steht und ob ich in Zeiten von Corona noch etwas vermitteln kann, das Menschen Optimismus vermittelt, die musste ich mir selber stellen.

Weil ich weiß, dass mich Nachdenken bei schwierigen Fragen nie so weit bringt wie das Schreiben, habe ich fix zugesagt. Und mir gedacht: Es wird schon was kommen. Etwas, das nicht nur meinen Lesern, sondern auch mir selber hilft.

So war es dann auch. 

Zwar habe ich mich wochenlang gedrückt, war latent schlecht gelaunt, hatte vage Angstgefühle, aber schließlich habe ich doch mit dem Schreiben begonnen. Nein: vorher noch damit, mir interessante Fragen zu stellen.

Irgendwann war da der erste Satz. Der Satz, mit dem mein Essay beginnen musste. 

„Da hängt sie.“

Wer hängt? Meine Hoffnung. Schwer keuchend, an seidenem Faden. So habe ich begonnen. ohne zu wissen, was weiter geschehen würde. Ich spürte: Dieser Ansatz würde mich tragen. Wenn ich schon nicht wusste, wie das mit dem Hoffen weitergehen sollte, dann würde es mir vielleicht die Hoffnung selbst erklären, während sie um ihr Leben kämpfte.

Das Experiment gelang. 

Nach zwei Wochen Schreibzeit war der Essay fertig. Und ich hatte eine völlig neue Haltung zum Thema Hoffnung gewonnen. Ich habe sie mir erschrieben. Genauer: Ich habe sie mit herbeiphantasophiert.

Phantasophieren

So nenne ich neuerdings die Art, wie ich mir Gedanken mache. Ich denke in Bildern, ich lasse Prinzipien Gestalt annehmen. Ich führe Dialog mit den Wesen, über die ich nachdenken will. Meine Phantasie ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Erkenntnisfindung.

Als ich das Wort gefunden hatte. bemerkte ich: Klar. das mache ich schon immer so. Wie viele Texte gibt es schon von mir, in denen einzelne Tage, das Glück, die Trauer, die Angst und andere mit mir in Dialog treten und etwas über sich erzählen.

Es ist also nicht neu. Aber trotzdem ganz frisch: Ich bin eine Phantasophin. 

Meinen Essay kannst Du beim Remedium-Verlag (den man wirklich kennen sollte) bestellen.

Andere phantasophische Texte findest Du hier, immer wieder, auf meinem Blog.

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