Weißt Du, was die Statistik sagt? Sie sagt: einer von zehn Menschen in Deutschland schreibt regelmäßig Tagebuch. Gehen wir mal davon aus, dass die meisten davon Frauen sind (statistisch drei Viertel).
Das bedeutet: die Wahrscheinlichkeit, dass eine Deiner Nachbarinnen (Du weißt schon, sicher die, die so nett ist) regelmäßig schreibt, ist relativ hoch.
Und ha, das erklärt es natürlich: warum sie sich immer an alles erinnert. Warum sie ruhig bleibt, wenn der Hut brennt. Warum sie Dir manchmal so lustige Fragen stellt. Warum sie noch weiß, was Du ihr vorletztes Mal erzählt hast – und freundlich nachfragt. Warum Du Dich wohlfühlst in ihrer Nähe. Und warum (gib es zu!) Du sie um vieles in ihrem Leben beneidest.
Was hat sie, was Du nicht hast?
Na klar: ein Tagebuch. Aber das ist nicht alles. Denn Tagebuch haben und Tagebuch schreiben, das ist ja nicht dasselbe. Sonst könnte ja jeder ins Papiergeschäft gehen, sich ein schönes Buch kaufen und schon wäre das Leben schöner, einfacher, klarer, kreativer … eben so wie das Deiner Nachbarin, die den Schreib-Dreh schon raushat.
Als eine, die seit fast 20 Jahren Menschen und Tagebücher zusammenführt, weiß ich, dass der Kauf eines schönen Buchs ein Anfang sein kann – aber oft auch schon das Ende. Denn kaum liegt das Buch zu Hause am Tisch, kommen die Gedanken:
Was schreibe ich da rein? Jetzt? Ach, ich fang morgen an. Oder am Montag, am Wochenende bin ich ja unterwegs. Muss ich da schön schreiben? Was, wenn mein Füller kleckert? Im Bett schreiben wäre schön. Aber was wird mein Mann dazu sagen? Der lacht mich sicher aus. Sollte ich nicht lieber Yoga machen? Ist letztlich gesünder. Und überhaupt, schreiben … das könnte ja jemand finden und lesen.
In diesem Artikel möchte ich Dir die Frage beantworten: Was schreibst Du da rein? Wie fängst Du an, wenn Du anfangen willst? Und wie kann es weitergehen, am nächsten Tag (oder einmal pro Woche oder wann Du es willst)?
Du bekommst zehn Tipps, drei davon höchst bewährt und in fast jedem Blog-Artikel zu diesem Thema zu finden, die anderen Tipps sind frech, unorthodox – aus meiner eigenen Praxis. Ich nämlich bin keine, die lange etwas durchhält. Keine, die täglich schreibt. Meine Tagebücher sind chaotisch, bunt, beim Kochen bekleckert, von meiner Tochter bemalt, also nicht „schön“ im klassischen Sinn. Aber sie gehören zum Wertvollsten, das ich habe. Mein Leben wäre ärmer ohne sie.
Tipp #1: Das perfekte Buch zum Tagebuch schreiben
Es gibt sie in vielen Formen, Größen und Farben. Teuer und billig. Liniert, kariert, glatt. Hart gebunden oder weich. A4, A5, A6, Mittelquart. Mit edlem Papier oder in Schmierzettel-Feeling. Es gibt auch die ganz dicken mit der riesengroßen Spirale am Rand. Und die handgebundenen aus der Nobel-Papeterie.
Ganz wichtig: Teuer ist nicht gut für jedermann (jederfrau). Viele Menschen verspüren besonderen Druck, wenn ein Tagebuch teuer war, sie wollen sich würdig erweisen – kein guter Anfang. Dicke Bücher oder Spiralen können die Hand beim Schreiben stören. Und wenn es ein zu großes Buch ist, liegt die erste Seite vielleicht unbezwingbar da – wie soll man sie nur vollkriegen?
Mein Tipp: Geh bei der Wahl Deines Buchs (oder Hefts) keine Kompromisse ein. Besuche ein Papiergeschäft, als wäre es ei Feinkostladen, in dem Du alles kosten darfst. Nimm Bücher, Hefte und auch Blöcke in die Hand. Schau Dir die Lineaturen und Karos an, fühle das Papier. So lange, bis etwas in Dir Lust bekommt: Das möchte ich haben. Die Wahl Deiner Hand darf Dich ruhig überraschen. Vielleicht wird es ein einfacher College-Block. Oder ein winziger Notizblock. Vielleicht entscheidet sich etwas in Dir auch für Post-Its.
Du musst es nicht erklären, nicht einmal Dir selbst. Und es ist ja nur der Anfang, Dein erstes Tagebuch – oder Heft oder loses Papier. Ah ja: Natürlich geht auch loses (buntes?) Papier, das kann man in einer Ringbuchmappe sammeln.
Und wo Du schon ein Buch besorgst, nimm auch ein paar Stifte mit. Einen Bleistift, einen Kugelschreiber, der nicht schmiert (die billigen – BIC – sind die besten), wenn Du willst auch einen Füller. Wenn das Ganze in Deine Handtasche passt, ist es überhaupt genial. So kannst Du gleich am Heimweg im Lieblingscafé in dein Tagebuch schreiben.
Tipp #2: Seite 1 des Tagebuchs
Nein, wir schlagen das Buch nicht auf Seite 1 auf, um gleich unsere intimsten Geheimnisse, unseren größten Frust oder ein Gedicht aufzuschreiben. Das kommt später. Seite 1 ist anders. An ihr sollte sogar Marie Kondo Freude haben. Du weißt schon, die Aufräum-Päpstin, die sagt: Behalte nur die Dinge, die Dich mit nichts als Freunde erfüllen. Seite 1 soll Dir Freude machen – und nichts als Freude.
Du kannst ein schönes Bild aus einer Zeitschrift schneiden und es einkleben.
Du kannst ein Zitat ausdrucken, das Dich inspiriert und es einkleben.
Oder ein Foto.
Natürlich kannst Du auch selbst etwas auf Seite 1 schreiben, falls Du Deiner Handschrift vertraust. Ich selbst habe eine schöne Handschrift. Trotzdem habe ich schon öfters meine erste Seite verschandelt, weil ich meine kalligraphischen Fähigkeiten grob überschätzte. Deshalb klebe ich lieber – oft auch etwas, das ich selbst auf einen Zettel geschrieben und ausgeschnitten habe. Oder ich lasse Seite 1 überhaupt leer und beginne erst auf Seite 3 (oder 5, dann schimmert mein erster wirklich Eintrag auch nicht auf Seite 1 durch).
Tipp #3: Der erste wirkliche Tagebuch-Eintrag
Das Schwerste ist der Anfang auf einer leeren Seite. Beim Tagebuch schreiben ist das beste Mittel dagegen: das Datum. Datum ist immer gut, ja: essenziell. Wichtig für später, wenn Du nachliest (und vielleicht denkst: Ah ja, das habe ich kurz nach dem Drama mit P. geschrieben. Oder: Was, so lange ringe ich schon mit diesem Thema?!).
Wenn Du verspielt bist, zeichne Dir Blumen oder Herzen auf die Seite. Oder (Tipp aus der Kunsttherapie): mach Dir einen Rahmen. Probiere es aus, es fühlt sich ganz anders an, in einen Rahmen zu schreiben als auf ein leeres Blatt.
Und jetzt zum Inhalt. Hier wird es vielfältig.
Entweder, es wartet schon etwas in Dir, das längst schon raus will. Dan zögere nicht. Schreibe es hin – und stell Dir vor, es wäre nicht Dein erster Tagebucheintrag, sondern der dreihundertste. Oder schreibe zur Einleitung etwas wie: So, das muss jetzt einfach raus: …
Manchen Menschen hilft es, mitten im Satz zu beginnen, und zwar mit dem Wort „und“. Vielleicht auch mit drei Pünktchen davor. Gern auch als Bandwurmsatz:
… und ich sitze da und schreibe und vor mir steht eine Tasse Kaffee und ich habe so viel im Kopf und weiß nicht, wo ich anfangen soll und ich denke mir, ich fange einfach mal mit heute Morgen an, weil da do viel los war, und ich weiß gar nicht mehr, was alles war, nur noch, dass E. wiedermal grantig war und ich bin nicht ruhig geblieben und sie war immer noch sauer auf mich, als sie in die Schule gegangen ist und jetzt bin ich traurig und …
Falls Du auf diese Weise fünf Seiten füllst: wunderbar. Du hast eine Schreibmethode gefunden, die Dir gut tut. Nächstes Mal wieder.
Du kannst aber auch ganz anders anfangen. Optisch sehr schön: in kurzen Absätzen. Schreib eine Seite voll mit kleinen Absätzen, jeweils drei bis fünf Zeilen. Erzähle Dir, was gerade los ist. Absatz für Absatz, jeweils eine Leerzeile (und ein paar Atemzüge) dazwischen.
Du kannst Dir auch eine Liste machen: 100 Dinge, die ich in mein Tagebuch schreiben könnte. Und dann such Dir eines dieser 100 Dinge aus.
Grundsätzlich gilt: „Schreib irgendwas“ ist die schwierigste „Schreibaufgabe“, die man sich nur vornehmen kann. Je klarer die Form, die Struktur, die Aufgabe, umso einfacher ist das Losschreiben. Besonders strukturiert sind Listen, Fragen und Antworten, kleine Absätze oder Gedichte. Du kannst Dich auch zeitlich beschränken: Wecker auf 10 Minuten stellen und schreiben, bis er läutet. Egal, was. Vielleicht mit der Überschrift: Meine ersten 10 Minuten (Datum nicht vergessen!).
Wenn Du Dich nicht entscheiden kannst, beginne mit der Frage: Was gibt es über den heutigen Tag zu erzählen? Du dann schreib drei Absätze. Fertig. Morgen wieder.
Tipp #4: Morgen wieder?
„Tagebuch“ und „Regelmäßigkeit“ scheinen zusammenzugehören. Ja, viele Menschen schreiben jeden Tag, andere fix jede Woche. Macht Sinn, wenn das Tagebuch zu einer Chronik werden soll, in der man später nachschlagen kann. Ich habe auch manchmal täglich geschrieben, zum Beispiel letzten Sommer, drei Monate lang. Dieses Sommer-Tagebuch ist wunderbar geworden und ich blättere oft darin.
Falls Du regelmäßig Tagebuch schreiben willst: übernimm Dich nicht.
Täglich eine halbe Stunde lang schreiben, das ist manchen möglich, anderen aber auch nicht. Lass uns realistisch sein: Wenn Du jeden Abend den ganzen Tag nacherzählen willst, bräuchtest Du wohl so viel Zeit. Hast Du sie? Super. Wenn nicht: suche Dir kürzere Formen.
- Täglich 5 Dinge aufschreiben, für die Du dankbar bist.
- Täglich 3 Momente notieren, die an diesem Tag schön waren.
- Die schönste Viertelstunde des Tages nacherzählen.
- Den Tag in genau 5 Sätzen beschreiben. (Goethe schrieb täglich Tagebuch, oft sehr kurz, zum Beispiel an seinem 43. Geburtstag nur “Sah ich mich um und ritt Nachmittags nach Longwy.”)
- Ein Haiku pro Tag
- Eine Liste pro Tag
- Fünf Fragen mit Antworten: Wo war ich? Was habe ich gegessen? Wer war heute mit mir? Was habe ich geschafft und erledigt? Was beschäftigt mich gerade am meisten?
Falls das tägliche Tagebuch schreiben nichts für Dich ist: Viele Meschen schreiben regelmäßig einmal pro Woche. Auch hier empfiehlt sich anfangs ein klares Ritual: zum Beispiel drei immer gleiche Fragen (Was war diese Woche los? Worauf bin ich diese Woche stolz? Was soll mir von dieser Woche für immer in Erinnerung bleiben?)
Dann eine längere freie Schreibzeit, in der alles aus Dir fließen darf, was zu Papier will – Geschichten, Gedanken, Wortspiele, Experimente, Gefühlsausbrüche, Abschriften aus Büchern, einfach alles.
Und am Ende zum Beispiel ein P.S.: Was steht da noch nicht, obwohl es mich beschäftigt?
Tipp #5: Regelmäßig könnte auch heißen …
Ich persönlich schreibe sehr regelmäßig. Nicht täglich, nicht jede Woche. Meine Definition von „regelmäßig“ lautet: Immer, wenn. Ich schreibe immer, wenn mein Kopf durcheinander ist. Ich schreibe immer, wenn ich Lust auf ein paar kreative Minuten habe. Ich schreibe immer, wenn ich neue Seminare plane und mir erste Skizzen machen will. Ich schreibe immer, wenn ich eine Idee für eine Tagebuchpraxis habe und sie ausprobieren will.
Mach Dir gern Deine eigene Liste. Wann willst Du schreiben? Immer, wenn … (3 Punkte reichen).
Tipp #6: Verrückte Schreibimpulse
Viele Menschen klagen, dass sie nur in Schreibseminaren schreiben können, daheim aber nicht. Warum ist das so? Ich denke: weil sie in Seminaren Impulse bekommen und dann „schreiben müssen“. Egal, was dann herauskommt, sie können denken: Das war halt der Impuls, ich habe mir das ja nicht ausgedacht. Das kann befreiend sein.
Wie wäre es, wen Du Dir eine Schreibimpuls-Kiste anlegst?
Das kann ein Kuvert voller Wortschnipsel sein, einfache Wörter wie „Geduld“, „Brot“, „Schatz“, „Wetter“ und so weiter, auf Zettelchen oder kleinen Karteikarten. Du kannst auch Wörter aus einer Zeitschrift ausschneiden. Ziehe Dir dann ein Wort und beginne Deinen Tagebucheintrag mit diesem Wort (oder einer Assoziation, zum Beispiel: „Was nährt mich derzeit?“ statt „Brot“ oder „Was vertraue ich der Zeit an?“ statt „Geduld“.).
Du kannst auch Fragen auf Zettelchen notieren. Such im Internet, da findest Du Listen von guten Tagebuchfragen. Oder schreib Dir eine Liste mit 30 Fragen. Es gibt auch Kartensets mit Fragen. Wichtig dabei: das „Muss“. Es gibt kaum eine Frage, die man sofort beantworten will. Stell Dir vor, Du bist in einem Schreibseminar und „musst“ mit 20 anderen 20 Minuten schreiben, ohne Alternative. Es geht – und spätestens nach drei Minuten wird Deine Antwort interessant und persönlich.
Mische auch Impulse dazu, die Dich herausfordern, zum Beispiel: „Übersetze heute Deinen Lieblingssong ins Deutsche.“, „Schreib den ersten Satz eines Romans.“, „Zeichne heute einen Moment, statt ihn zu beschreiben.“, „Schreib eine verrückte Liste.“, „Schreib ein Gedicht voller kitschiger Reime.“, „Lass Deine Kaffeetasse sprechen.“ und so weiter. Auch hier: denke „Ich muss“ – der Schreibworkshop-Trick.
Tipp #7: Erzähl mal …
Kennst Du diese Bücher? Oma, erzähl mal. Mama, erzähl mal. Mittlerweile gibt es da viele auf dem Buchmarkt. Die Schreibimpulse in diesen Büchern sind toll. Der Platz, der da zur Verfügung steht, mangelhaft. Meistens fünf Zeilen pro Frage. Fünf Zeilen für die Frage: Wie hieß Deine beste Volksschulfreundin? Und fünf Zeilen für die Frage: Erzähl mir von Deinem Schönsten Sommerurlaub. Zu viel Platz, zu wenig Platz.
Kauf Dir so ein Buch.
Schlag es auf einer beliebigen Seite auf.
Schreib eine Frage ab (und die Seitenzahl, auf der sie steht).
Beantworte sie in Deinem Tagebuch.
So wird Dein Tagebuch zu einem Lebenserinnerungs-Schatz.
Tipp #8: Das Schreiben nach dem Schreiben
Kaum zu glauben, aber wahr: die besten Schreib-Ideen hat man gleich nach dem Schreiben. Wenn der Schreibzeit-Wecker läutet, wenn der Eintrag rund ist, wenn gerade kein Impuls zum Weiterschreiben mehr kommt, genau dann kannst Du Dich fragen: Worüber könnte ich nächstes Mal schreiben?
Die Schreibpädagogin Kathleen Adams empfiehlt drei Fragen nach jeder Schreib-Zeit:
- Das, was ich hier geschrieben habe: Ist es Teil einer größeren Geschichte? Wie heißt sie?
- Was habe ich gedacht aber nicht aufgeschrieben?
- Ideen für meine nächsten Schreibzeiten (Liste)
Ich schreibe gern kleine Post-Ist an mich. Winzige Briefchen, die ich mir bis zur nächsten Schreibzeit aufhebe. Zum Beispiel:
Lass doch heute mal Deine Traurigkeit raus.
Trau Dich. Es passiert nichts – und es tut gut.
Oder:
Hey, mein Schatz,
es wäre echt mal wieder Zeit
für einen Liebesbrief an Dein Spiegelbild.
Oder:
Komm. Heute schreibst Du sie endlich,
diese Seminarplanung,
vor der Du Dich schon so lange drückst.
Go for it, Babe – und seien es nur 10 Minuten.
Das Schreiben nach dem Schreiben: vielleicht legst Du Dir dafür einen zweiten Stift zu. Andere Farbe oder eine dickere Mine. Du kannst auch einfach am Ende einen einzigen Satz schreiben, der jetzt gerade „wahr und gut“ ist. So ein letzter Satz bündelt den Prozess und gibt Dir das Gefühl eines guten, runden Abschlusses.
Tipp #9: Sorge dafür, dass es niemand liest
Nach jahrelangem Tagebuch schreiben, verliert man irgendwann die Sorge, dass jemand heimlich reinlesen könnte. Wenn einmal zwanzig Bücher vollgeschrieben sind, interessiert sich eh niemand mehr für den Schreibspleen.
Anfangs ist das schwieriger. Man fühlt sich gehemmt.
So mache ich es: Ich denke an das Sprichwort „Gelegenheit macht Diebe“ und verstecke mein Tagebuch. Nicht im Safe, aber immerhin so, dass es nicht griffbereit am Nachtkästchen liegt, wo meine Tochter gerne stöbert.
Ab und zu lese ich meinem Mann Stellen aus meinem Tagebuch vor. So hat er nicht das Gefühl, ausgeschlossen zu sein – und ich entscheide selbst, was ich vorlese und was nicht.
Die Angst, dass man nach meinem Tod meine Tagebücher finden und lesen könnte, habe ich nicht. Menschen, die diese Angst haben, empfehle ich, Zettel in jedes Tagebuch zu legen – und zwar Zettel, die etwas größer sind als die Tagebuchseiten, sodass sie gleich ins Auge stechen.
Was nicht auf diesen Zetteln stehen sollte: Bitte nicht lesen – geheim! (Liest jeder.)
Stattdessen vielleicht etwas wie:
In diesem Tagebuch stehen subjektive Texte, die oft einseitig, ungerecht, unfertig oder aus einem inneren Drama heraus geschrieben sind. Sie fühlten sich wahr an, als sie geschrieben wurden, aber sie entsprechen nie der ganzen Wahrheit. Es wäre mir lieber, wenn Du, lieber Finder, meine Tagebücher ungelesen entsorgst. Erinnere Dich an unsere Gespräche und das gelebte Leben. Ich hatte keine Geheimnisse, die wichtiger wären als das, was wir offen geteilt haben.
Tipp #10: nimm das Ende vorweg
Einfach drauflosschreiben ist schwierig, das haben wir schon besprochen. Ein Ansatz ist das „Muss“, in Kombination mit Schreibimpulsen aus Büchern oder aus dem eigenen Herz (auch schon besprochen). Hier noch ein anderer Weg:
Setz Dir ein Ziel.
Schlag Dein Tagebuch auf und frage Dich: Was soll und was darf das Schreiben Dir heute bringen?
Vielleicht Spaß.
Vielleicht die Erinnerung an ein schönes Erlebnis.
Vielleicht Antworten auf eine Frage, die Dich bewegt.
Vielleicht Gedankennotizen von einem Vortrag, den Du gehört hast.
Vielleicht einen sicheren Platz für Deine Sorgen du Ängste.
Vielleicht einen Platz für Deine To-Do-Liste.
Vielleicht einfach fünf Minuten verrückte Zeit.
Schreib am Anfang ein „Mission Statement“.
Ich will mich heute an meinen gelungenen Morgen erinnern.
Oder: Ich schreibe hier einen Brief an M., den ich so nie abschicken würde.
Oder: Ich will mich nach dem Schreiben besser fühlen.
Wenn Du weißt, was Du willst, findest Du bestimmt eine Form, die zu Deinem Vorhaben passt.
Fazit
Suche Dir ein Buch oder Heft, das sich angenehm anfühlt. Denk Dir: Alles darf da rein. Wirklich alles. Ich muss nichts, ich darf alles. Immer, wenn ich will. Und keiner wird es lesen. Punkt.
Ich wünsche dir viel Spaß beim Tagebuch schreiben!
Deine Barbara Pachl-Eberhart
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