Text der Woche

Liebe Stiefelknechte und Halbschuhtänzer,

liebe Schalschmusekatzen und Mantelauszieher, liebe Strumpfhosenliebhaber, Leinenhosenbügler, liebe Rinnsaal-, Schnäuz- und Sonnenbrandnasen, liebe Menschen weit und breit!

Ich grüße Sie verschmitzt, mit einem breiten Frühlingsgrinsen im Gesicht. Und bin, eh man sich’s versieht, sogleich wieder weg. Und wieder da. Und wieder weg. Und – traraaa! – Noch einmal da. Ja, ich mache es spannend. Genau wie der Frühling. Dieser launige Kerl, der vom Kommen, Gehen und Wiederkommen einfach nicht genug bekommen kann. Einmal „Hallo“ sagen, und gleich bleiben? Oh nein. Für einen, der gerne tanzt und gute Laune liebt, ist das gar nichts. Anklopfen, hereinspazieren, begrüßt werden. Aufhorchen, überrascht sein, willkommen heißen – das alles ist doch viel zu schön, um es nur einmal zu genießen!

Na gut, ich gebe es zu: Auch ich habe schon über das wechselhafte Wetter des Frühlings geschimpft. Als Geburtstagskind am 31. März wünsche ich mir jedes Jahr aufs Neue, dass Herr Lenz, der irgendwann im Februar mit seinen beinahe heißen Sonnenstrahlen zum ersten Mal sein Gastspiel gibt, verlässlich bleiben könnte, wenigstens bis zu meinem Feiertag. Es hat noch nie geklappt. Der Frühling, und mit ihm die Sonne, kommt und geht. Und kommt, und…

Wenn ich nicht gerade Geburtstag habe, finde ich dieses Spiel eigentlich richtig gut. Es ist doch äußerst wirksam. Unter uns: ein uralter Trick. Ein Trick, den auch wir Clowns kennen und immer wieder einsetzen, um das Herzhüpfen der Begrüßung und das sonnenwarm kitzelnde Glück des ersten „Hallo“ genüsslich auszudehnen und mit allen Mitteln zu vermehren.

Ich kann mich noch genau an den Workshop erinnern, bei dem mir ein altgedienter Kollege seinen Wiedersehens-Trick verraten hat. „Im Altenheim, weißt du, da entstehen mit der Zeit richtige Freundschaften. Und egal, wie lange wir bleiben, es ist immer viel zu kurz. Vor allem demente Patienten können es manchmal kaum fassen, dass wir – nach dreißig Minuten – schon wieder gehen. Irgendwann habe ich begonnen, es mit Stippvisiten zu probieren. Zwanzig Mal am selben Vormittag, immer wieder ein Hallo, immer wieder Freude und eine stürmische Begrüßung. Tröpfelnde Gegenwart, erfüllt von der Kraft der ewigen Begrüßung. Es funktioniert! Es macht satt, lebendig, es macht uns alle immer aufs Neue quietschfidel.“

Natürlich sind wir Clowns nicht immer so flüchtig wie die Sonne im April. Natürlich wissen wir auch, was es heißt, zu bleiben. Still zu sein. Die dehnbare Zeit mit einem Lied, mit Behutsamkeit und tiefem Interesse zu befüllen, damit sie so lange nachklingt wie ein endloser Feriensommer am Land. Doch es gibt auch den Frühling, die Tänze, das Spiel. Nicht nur für Kinder und Senioren. Sondern auch für uns, für Sie, gleich draußen, vor Ihrer Tür. Begrüßen Sie die ersten Sonnenstrahlen, so oft es nur geht. Mit Herzklopfen, Jubel und allem, was dazugehört. Und denken Sie dabei gerne an uns Clowns, an Versteckspiele und Schelmenstreiche, an tanzende Verlässlichkeit und den klingelnden Rhythmus blühender Lebendigkeit.

Wir kommen. Immer wieder. Zu allen, die uns erwarten und begrüßen, weil unser Klopfen etwas in ihr Herz zaubert, das immer wieder neu und aufregend ist. Wir kommen und gehen… und kommen wieder. Ganz bestimmt. Auf die Clowns und auf den Frühling kann man sich wirklich verlassen.

Guter Geist in Tagebuch

Comments

  • Eva

    Danke fürs Teilhabenlassen. Entspannung erreicht mich beim Lesen, wie sanft anrollende Wellen am Strand. Wie wohlig wärmende milde Sonnenstrahlen am Meer. Wie schaffst du das bloß? Gelassene Grüße Eva

  • Christiane Hueter

    Danke, ein sehr netter Text.

  • Angela Braster

    so ein wunderbar wunderschöner Text! ja. das Leben darf auch mal „schlecht drauf “ sein! ... und dann ist’s wieder schön!

  • Christiane Hueter

    Netter Text

  • Gabriele Fürnweger

    Liebe Barbara, Danke für's ehrliche Teilen LG Gabriele

  • Helga Pichlhöfer

    Flummi Oma Kopfkino In meinem Oberstübchen sah ich ein grauhaarigeses, rundes Weiberl mit 80 (15 Jahre älter als ich) die ca 20 Gummiballchen gleichzeit aus dem Fenster im ersten Stock wirft und zusieht, wie sie sich fröhlich ihren Weg die Dorfstraße rauf und runter hüpfend suchen Und wenn sie gut bei Fuß ist, holt sie sich ihr Spielzeug mit Hilfe der Dorfkinder wieder...... Spaß für alle

  • Brigitte Hausgnost

    Das heißt Poesie kann Berge versetzen!

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